2. Technischer Zug
Der 2. Technische Zug des Ortsverbands Stralsund ist eine tragende Säule im regionalen Zivil- und Katastrophenschutz.
Während die Grundstruktur des Zuges identisch mit dem 1. TZ ist, unterscheidet er sich maßgeblich durch seine spezialisierten Fachgruppen, die im Ernstfall bundesweit angefordert werden können. Der 2. Technische Zug hat sich hierbei auf
- die präzise biologische und technische Ortung von Vermissten sowie
- das Sichern und Abstützen von massiven Gebäudeschäden spezialisiert.
Dank der integrierten Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung (Fachgruppe N) agiert der Zug im Einsatzgebiet zudem weitgehend autark: Mit eigener temporärer Stromversorgung, Beleuchtung und Logistikkomponenten ist der Zug in der Lage, technische Hilfeleistung genau dort zu leisten, wo die reguläre Infrastruktur unterbrochen oder beschädigt ist.
Aufbau und Aufgaben
Die fundamentale Struktur des Technischen Zuges ist im THW standardisiert und sichert die unmittelbare Einsatzfähigkeit bei klassischen Bergungs- und Rettungseinsätzen:
- Der Zugtrupp (ZTr): Die logistische und taktische Schaltzentrale im Einsatz. Der Zugtrupp führt die unterstellten Einheiten, koordiniert den Funkverkehr, dokumentiert das Geschehen und hält den Kontakt zu übergeordneten Führungsstellen.
- Die Bergungsgruppe (B): Die universelle Speerspitze des Zuges. Ausgestattet mit schwerem Rettungsgerät ist sie darauf spezialisiert, technische Barrieren zu durchbrechen, Wege freizumachen und Menschen oder Tiere aus akuten Gefahrenlagen zu retten.
Direkt im Anschluss an die Basiskomponenten entfaltet der 2. TZ sein eigentliches, spezialisiertes Leistungsspektrum:
- Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung – FGR N: Sie sichert die Lebensfähigkeit von Einsatzkräften und Betroffenen. Zu ihren Aufgaben gehören die temporäre Stromversorgung, Notbeleuchtung, Pumparbeiten sowie handwerkliche Arbeiten zur Sicherung von Infrastruktur.
- Fachgruppe Ortung – Biologisch O(B) & Technisch O(C): Die Lebensretter bei Verschüttungen oder Vermisstenlagen. Die biologische Ortung arbeitet mit hochgradig ausgebildeten Rettungshunden (Flächen- und Trümmersuche), während die technische Ortung auf moderne Sensorik wie Bodenhorchgeräte und Endoskopkameras setzt.
- Trupp Unbemannte Luftfahrtsysteme – TRP UL: Das Auge des Ortsverbands aus der Luft. Mittels modernster Drohnentechnologie liefert diese Einheit hochauflösende Lagebilder, führt Thermografie-Flüge bei Glutnestersuchen durch und unterstützt bei der Personensuche in unwegsamem Gelände.
- In Planung: Abstützsystem Holz – ASH : Diese strategische Komponente ermöglicht es, mittels vorgefertigter Holzkonstruktionen einsturzgefährdete Gebäude und Fassaden großflächig abzustützen und zu sichern.
Vom hochgeländegängigen Großfahrzeug für die Bergung über spezialisierte Transportkomponenten für die Notversorgung bis hin zu sensibler High-Tech-Ausrüstung in den Ortungs- und Drohnengruppen: Die technische Ausstattung ist darauf ausgelegt, auch unter extremen Wetter- und Umweltbedingungen autark und zuverlässig zu funktionieren.
Die Alarmierung des 2. TZ erfolgt meist maßgeschneidert anhand der benötigten Fähigkeiten:
- Gebäudeeinstürze & Gasexplosionen: Hier schlägt die Stunde der Ortungsgruppen (B/C) zur Lokalisierung von Vermissten, gefolgt von der Bergungsgruppe und der Fachgruppe N zur technischen Sicherung und Ausleuchtung der Einsatzstelle.
- Vermisstensuche an Land und Küste: Die Fachgruppe UL (Drohne) klärt große Flächen in Kombination mit den Rettungshunden der biologischen Ortung in Rekordzeit auf.
- Unwetter, Hochwasser & Infrastrukturausfall: Die Fachgruppe N übernimmt schwere Pumparbeiten und die Notstromversorgung kritischer Objekte, während die Bergungsgruppe Verkehrswege von Windbruch befreit.
- Großschadenslagen und Amtshilfe: Der Zugtrupp übernimmt die Koordination vor Ort und führt die Einheiten im Verbund mit anderen Rettungskräften.
Teileinheiten
Zugtrupp Technischer Zug (ZTr TZ)
Der Zugtrupp ist das Nervenzentrum des Zuges. Er lenkt den Einsatz logistisch und taktisch vor Ort.
- Gruppenstärke: 1 / 1 / 2 = 4 (1 Zugführer, 1 Zugtruppführer, 2 Fachhelfer)
- Besondere Ausstattung: * Führungskraftwagen (FüKW): Ein mobiles Büro mit Allradantrieb, ausgestattet mit modernster Digitalfunktechnik (MRT und HRT).
- Einsatzleit- und Dokumentationsmaterial: Whiteboards, Lagedarstellungskits und Schnittstellen zur digitalen Einsatzführung.
Bergungsgruppe (B)
Die universelle Speerspitze für schwere Rettungs-, Aufbrech- und Sicherungsarbeiten.
- Gruppenstärke: 0 / 2 / 7 = 9 (1 Gruppenführer, 1 Truppführer, 7 Fachhelfer)
- Besondere Ausstattung:
- Gerätekraftwagen (GKW): Eine rollende Werkstatt mit umfassender Beladung zur schweren technischen Hilfeleistung.
- Schweres Rettungsgerät: Hydraulische Schere und Spreizer, Hebekissen (Vetter-Kissen mit enormer Hubkraft), Trennschleifer, Ketten- und Motorsägen sowie Anschlagmittel zum Bewegen schwerer Lasten.
Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung (N)
Das „Rückgrat“ für Infrastruktur, Stromversorgung, Pumparbeiten und die Logistik der Einsatzstelle.
- Gruppenstärke: 0 / 2 / 7 = 9 (1 Gruppenführer, 1 Truppführer, 7 Fachhelfer)
- Besondere Ausstattung:
- Mehrzweckgerätewagen (MzGW): Geländegängiges Großfahrzeug mit flexibler Rollcontainer-Bestückung und Ladebordwand.
- Mobile Stromversorgung & Licht: Leistungsstarke Stromerzeuger (NEA) und Lichtmastanlagen zur taghellen Ausleuchtung weitläufiger Schadensgebiete.
- Pumpausstattung: Leistungsfähige Tauch- und Schmutzwasserpumpen für Hochwasserlagen.
Fachgruppe Ortung – Typ B (Biologische Ortung)
Diese Einheit ist darauf spezialisiert, vermisste oder verschüttete Personen mithilfe des unschlagbaren Geruchssinns von Rettungshunden zu lokalisieren – sei es in tiefen Trümmerstrukturen oder in weitläufigem, unwegsamem Gelände (Flächensuche).
- Gruppenstärke: 0 / 2 / 7 = 9 (1 Gruppenführer, 1 Truppführer, 7 Fachhelfer / Hundeführer)
- Besondere Ausstattung:
- Geprüfte Rettungshunde-Teams: Biologische "Hochleistungssensoren", die regelmäßig harte Einsatztests und Prüfungen (nach DIN 13050) ablegen müssen.
- Spezial-Hundetransportanhänger: Ein klimatisierter, erschütterungsoptimierter Anhänger für den sicheren und artgerechten Transport der Hunde zur Einsatzstelle.
- Mannschaftstransportwagen Ortung (MTW-O): Das primäre Führungs- und Mannschaftsfahrzeug der Hundeführer-Teams.
Wo der Hund biologisch an Grenzen stößt oder Absicherung braucht, übernimmt die technische Ortung. Sie nutzt modernste Elektronik, Akustik und Optik, um Lebenszeichen tief unter Trümmern oder in Hohlräumen aufzuspüren.
- Gruppenstärke: 0 / 2 / 4 = 6 (1 Gruppenführer, 1 Truppführer, 4 Fachhelfer / Gerätebediener)
- Besondere Ausstattung:
- Akustische Ortungsgeräte (z. B. LEADER Search / Geophone): Seismische Hochleistungs-Bodenhorchgeräte, die selbst leiseste Klopfgeräusche, Kratzen oder das Atmen von Verschütteten durch meterdicken Beton hörbar machen – inklusive Gegensprech-Funktion.
- Optische Ortungsgeräte (SearchCam / Video-Endoskopie): Flexible, hochauflösende Kamerasysteme mit Infrarot- und 360-Grad-Linsen, die durch winzigste Bohrlöcher in Trümmerspalten oder Hohlräume eingeführt werden können.
- Thermisches Ortungsgerät (Wärmebildkamera): Zur schnellen Wärmequellen- und Personendetektion bei völliger Dunkelheit oder starker Verrauchung.
Trupp Unbemannte Luftfahrtsysteme (Tr UL)
Das High-Tech-Auge aus der Luft zur schnellen Aufklärung und Lagebeurteilung aus der Vogelperspektive.
- Truppstärke: 0 / 1 / 3 = 4 (1 Truppführer, 3 Fachhelfer / Drohnenpiloten)
- Besondere Ausstattung:
- Spezialdrohnen (UAV): Industrie-Multicopter mit hochauflösenden optischen Zoom-Kameras.
- Wärmebildtechnik (Infrarot): Radiometrische Wärmebildkameras zur Personensuche bei Dunkelheit oder zur Lokalisierung von Glutnestern bei Bränden.
- Mobile Auswertestation: Monitore und Funkstrecken zur Echtzeit-Übertragung des Live-Bildes direkt in den Zugtrupp oder den Fachzug Führung/Kommunikation.